Neulich unterhielt ich mich mit einem Mitarbeiter eines mittelständischen Fahrzeugbauers über Mexiko. Der Mann erzählte von seinen Erfahrungen in verschiedenen Ländern, auch in Lateinamerika. Als „reisender Techniker“ war er häufig in Internationalisierungsprojekte seines Unternehmens involviert, vor allem, wenn es um Prozessauslagerungen oder den damit verbundenen Aufbau und die Instandhaltung etwa von Fertigungseinrichtungen ging. Mexiko, so seine Meinung, sei ohne Zweifel ein „brandheißer“ Kandidat mit riesigem Potential, an dem eigentlich kein international aufgestellter Automobil-Zulieferer mehr vorbeikomme. Aber, und dieser Punkt wird im Anschluss daran häufiger vorgebracht, „in Mexiko geht es schon ziemlich rund, was die Sicherheit und Kriminalität anbelangt, da braucht man sich nichts vormachen“. Auf meine Frage, ob er denn selbst bereits Erfahrungen mit maroder Sicherheit oder dergleichen in Mexiko gemacht habe, meinte er, dies zwar nicht, aber er kenne einige Leute, die jemanden kennen, der gewissermaßen ein Lied davon singen könne.

Ich nehme mir diese Aussage, die ich gewiss nicht zum ersten Mal hörte, zum Anlass, meine Einschätzung zu Mexiko in die Diskussion einzubringen, um die herrschenden Gerüchte ein wenig zu versachlichen.

Sieht man sich die nackten Zahlen, etwa zur Tötungsdelikts-Rate, verschiedener Länder an, so weist Mexiko tatsächlich mitunter erstaunlich hohe Werte auf. Vergleicht man diesen Wert für 2014 zwischen Mexiko und Afghanistan, so scheint Afghanistan sogar deutlich „sicherer“ zu sein als Mexiko. Dass dies nicht den Tatsachen und dem gesunden Menschenverstand entspricht, liegt auf der Hand. Abgesehen von den Zahlen aus der „Vogelperspektive“ lohnt sich ein Blick auf die Zusammenhänge: Mexiko hat seit vielen Jahren mehr oder weniger große zivilgesellschaftliche Herausforderungen zu meistern. Dies gelingt bislang an manchen Stellen nur mit mäßigem Erfolg. Insbesondere der Krieg gegen die Drogenkartelle hat bis dato keine für die Bevölkerung spürbaren Verbesserungen der Sicherheitslage gebracht, eher im Gegenteil. Die Spirale der gegenseitigen Aufrüstung mit immer stärker militärisch geprägten Mitteln hinterlässt natürlich Spuren in der Statistik - so führt „bessere“ Bewaffnung auf allen Seiten (und sie wächst immer auf allen Seiten, niemals nur bei den „Guten“!) auch zu effizienterem Töten, so zynisch diese Feststellung auch anmutet. Nun konzentriert sich der Kampf gegen „narcos“, also die Kartelle, seit längerem recht deutlich auf die grenznahen Gebiete im Norden Mexikos. Von solchen bekannten Gebieten kann man sich als reisender Investor entweder fernhalten oder entsprechend robustere Vorkehrungen treffen und so bereits einen guten Teil des Bedrohungspotentials für sich selbst reduzieren. Sollte ein Engagement in Gebieten mit höherem Risikograd unumgänglich sein, lässt sich auch in diesen Fällen eine vergleichsweise sichere Aktionsfähigkeit herstellen, dies zeigen die Erfahrungen aus Ländern, deren Sicherheitslage diejenige von Mexiko bei weitem unterbietet – vor allem an einige Länder im Nahen und mittleren Osten oder in Nordafrika sei hier erinnert: Selbst aus solchen Ländern kommen die allermeisten Geschäftsreisenden aus Mitteleuropa unbeschadet wieder zurück. Allerdings dürfte der Aufwand, den sie zur Gewährleistung eines akzeptablen Sicherheitsniveaus vor Ort betreiben mussten, recht nennenswert sein.

Man sollte zudem nicht den Fehlschluss begehen, die militärisch geprägten Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen staatlichen und nicht-staatlichen Gruppierungen im Land als Indikator für die allgemeine Sicherheitslage fehlzuinterpretieren. Sie werden in Mexiko große Gebiete finden, in denen die Kriminalitätsbelastung vergleichbar oder sogar niedriger ist als in anderen Ländern, die gemeinhin als sicher gelten. Hier muss man nicht einmal einen unmittelbaren Vergleich zu den in der Kriminalitätsbekämpfung technisch und personell zweifellos hochmodern aufgestellten USA herstellen - auch manche europäische Länder machen investitionswilligen Unternehmen aus dem Ausland wegen ihres suboptimal umgesetzten staatlichen Gewaltmonopols, teilweise unfähiger Beamter, einer ineffizienten und korrupten Verwaltung usw. mitunter das Leben reichlich schwer.

Ich war viele Male in Mexiko, sowohl in den Städten als auch in ländlichen Gegenden, und ich habe mich bis dato nie wirklich unwohl oder unsicher gefühlt. Dies mag aber auch daran liegen, dass ich niemals ohne gründliche Vorbereitung ins Ausland reise, mich im Vorfeld informiere und mir meine Meinung zu den lokalen Gegebenheiten faktenbasiert zu bilden versuche.

Und um nun keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ein längerfristiges wirtschaftliches Engagement in anderen Ländern ist immer eine Herausforderung, die vorbereitet und geplant werden will. Die Sicherheit von Personen und „Assets“ ist dabei eine Facette unter anderen. Diese Facette ist zuweilen prominenter, manchmal marginal. In Mexiko ist sie zweifellos nicht trivial, aber meiner Erfahrung nach zu meistern. Und zwar in den allermeisten Fällen mit klassischen Methoden der Sicherheitsanalyse und -konzipierung, freilich adaptiert auf das entsprechende Umfeld. Von allzu martialischen Auftritten (high-profile mit Personen- und Konvoischutz oder dergleichen), wie sie manchem Geschäftsreisenden in akuten Krisen- oder Konfliktländern manchmal nicht erspart bleiben, bleibt der normale Geschäftsreisende und Investor in Mexiko (und anderen lateinamerikanischen Ländern) dann doch in der Regel glücklicherweise verschont.

 

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